Imagine this: you start a band with your friends. The songs lean toward a modern strain of sludge and doom. There is no bass player. The compositions keep expanding, growing heavier, longer, more immersive. Before long, the lyrics begin to spill across individual tracks, forming a narrative larger than any single song could contain. Then comes a debut album recorded independently, yet brought to life in the Tonmeisterei, one of Germany’s finest studios, wrapped in artwork by Mariusz Lewandowski, one of doom metal’s most revered visual artists.

Ten years later your band has become widely acclaimed and what you have built is a world entirely of its own.Welcome to the story of EREMIT.

What follows is a conversation with Mo, the creative centre of EREMIT, conducted over two hours. It goes long because Mo doesn’t do surface. He lives inside this band, inside its mythology and once he starts talking, you begin to understand why ten years in, it still feels like the opening chapter.

Inhalt
I. 10 Jahre EREMIT
II. Veröffentlichungen, Sound & Songwriting
III. Die Lore & Visuelle Konzepte
IV. Kollektiv Raumordnung

Zehn Jahre EREMIT, das ist eine massive Zahl. Wie fühlt sich das an?

Es fühlt sich nicht nach zehn Jahren an, glaube ich. Aber das ist ja immer so ein Ding mit dem Alter. Wenn ich eine Band sehe, die zehn Jahre unterwegs ist, denke ich: Okay, die haben echt was geschafft, das ist krass. Denkt man dann an seine eigene Reise, fühlt sich das nicht unbedingt so an wie „zehn Jahre“. Das ist halt immer so eine Perspektivensache.

Es ist natürlich viel passiert. Und es war auch irgendwie exponentielles Wachstum für uns. In den ersten zwei Jahren haben wir vielleicht insgesamt zehn Shows gespielt, das ist dann irgendwann einfach mehr geworden. Das war eine Entwicklung von: Wir sind einfach nur Leute, die sich zusammensetzen, ein bisschen proben, ein bisschen Songs schreiben, hinzu: Okay, wir haben jetzt wirklich mal einen Plattenvertrag, bringen Platten raus, fahren eine Tour, spielen Shows und kommen mal aus unserem Dorf raus. Und ab da ist dann wirklich auch nochmal eine Menge passiert.

Ich hab heute eine Instagram-Story auf dem EREMIT-Account zu „Los Chappineros“ gepostet, das ist eine neue Band von unserem Gitarristen Kalle. Cumbia-Musik ist das. Da fiel mir nochmal auf, dass dieses Jahr, das 10. Jahr von EREMIT, gleichzeitig auch in gewisser Weise das Jahr der Nebenprojekte war. Kalle spielt bei Chappineros. Ich singe in einer neuen Powerviolence-Band, Moral Rot. Mit Moral Rot haben wir dieses Jahr unser erstes Tape veröffentlicht. Dazu ist das ganze Kollektiv Raumordnung-Ding gestartet. Das ist spannend. Gleichzeitig haben wir dieses Jahr mit EREMIT so viele Live-Shows gespielt wie noch nie in einem Jahr.

Also ja, es ist eine lange Reise und es ist für mich das erste Mal so, obwohl ich seit 25 Jahren Musik mache. EREMIT ist die erste Band, die in dieser Größenordnung stattfindet, mit dem Arbeitsvolumen und allem drumherum.

Wie war denn dann das Anniversary-Wochenende, auf dem ihr zwei Shows gespielt habt, wo sich das alles wahrscheinlich nochmal kulminiert hat. Wirst du da emotional?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin grundsätzlich ein sehr emotionaler Mensch, ich fühle ganz viel in alle möglichen Richtungen und das war auf jeden Fall emotional.

Es war so, dass dieses Wochenende für mich, sag ich mal, „leider“ sehr viel Arbeit war. Wir haben uns, oder vielleicht auch ich mir, sehr viel vorgenommen. Wir waren Mitveranstalter zwei Tage lang, hatten einen riesengroßen Merchstand. Zudem hatten wir drei oder vier Releases an dem Wochenende und haben die erste Raumordnung-Show gespielt. Das war einfach sehr, sehr viel Arbeit und das hat wahrscheinlich das Emotionale ein bisschen überdeckt. Ich bin einfach sehr viel von A nach B gerannt an diesem Wochenende. Es gab einen Moment an Tag 2 nach der Raumordnung-Show, wo ich im Merchraum auf dem Boden saß und hektisch mein Pedalboard mit Kabelbindern und Kneifzange von Raumordnung wieder auf EREMIT umgeschraubt hab. Das sind halt Zeiträume, in denen die anderen sich unterhalten können, und ich war quasi nur auf Spannung.

Trotzdem: Es war ein mega schönes Wochenende. Zwei Tage ausverkauftes Haus, viele Freunde und Familie. Es sind wirklich Leute aus Finnland gekommen und aus Süddeutschland. Was Menschen an Zeit und Geld auf sich nehmen, um mit uns die 10 Jahre zu feiern, das ist schon total krass. Es war emotional, das zu sehen. Das Event selbst war ein bisschen wie eine EREMIT-Convention, weil wir einen ziemlich großen Raum hatten, mit einem sehr ausladenden Merchstand, und es gab natürlich Special Merchandise. Ich hatte zum Beispiel so ein Longsleeve-Design, wo auf einem Arm eine Fotokollage mit Bildern von Leuten abgedruckt waren, die in den letzten zehn Jahren mitgeholfen haben und immer dabei sind und so weiter. Das wusste niemand, weder meine Bandmitglieder noch die anderen Leute. Das sind dann die schönen kleinen Momente: Ich zeige meiner besten Freundin, die lange Jahre die Bandfotos für uns gemacht hat, so ein Longsleeve und sie sieht, dass sie da auch drauf ist und wird total emotional. Oder die Partnerin von unserem Schlagzeuger, Kara, die ist auch ganz klein zu sehen. Sie kam zu mir und meinte: „Auf meiner To-do-Liste 2025 stand nicht, dass ich auf einem Longsleeve abgedruckt werde.“ Das sind süße kleine Momente, die mich natürlich auch freuen. Das andere ist natürlich, mit Raumordnung die erste Live-Show zu spielen, das war auf jeden Fall ein krasser Moment und hat, glaub ich, dem Projekt, der Band sehr gut getan.

Welche Meilensteine oder Schlüsselmomente aus zehn Jahren EREMIT fallen dir denn spontan als Erstes ein und welche Geschichte würdest du dazu unbedingt erzählen?

Das hab ich auf der Live-Show auch schon erzählt:
Meine beste Freundin war in den Anfangsjahren von EREMIT auch meine Partnerin. Beim allerersten EREMIT-Konzert haben wir zum ersten Mal rumgeknutscht. Bei diesem ersten Gig haben wir uns quasi näher kennengelernt. Und eine Anekdote, die ich immer erzähle, um zu verdeutlichen, wie sehr diese Band mein komplettes Leben übernommen hat, im Positiven, wie auch manchmal im Negativen, ist, dass diese damalige Partnerin irgendwann die Regel aufgestellt hat, dass wir nach 18 Uhr nicht mehr über EREMIT sprechen. Warum will ein Partner oder eine Partnerin das? Weil ich über nichts anderes gesprochen habe! EREMIT, diese Band, dieses Konzept ist so schnell gewachsen, dass es in meinem Kopf nichts anderes mehr gab. Und das ist auf jeden Fall so eine Sache, die man erzählen kann. Und man merkt auch: Wenn das mein komplettes Leben einnimmt, kann das auch für andere anstrengend sein.

Es passiert ja sehr viel in zehn Jahren, und es gab ganz unterschiedliche Formen dieser Band. Unser Gitarrist Kalle war zwei-, dreimal auf Weltreisen, die kein terminiertes Ende hatten. Er hat wirklich Haus und Job gekündigt und ist einfach losgereist, mit seiner Frau. Wir wussten, er kommt sehr wahrscheinlich wieder, aber wir wussten nicht, wann. Dadurch bestand die Band damals nur aus Marco, dem Original-Drummer, und mir. Das war für eine lange Phase EREMIT. Wir haben mehr als ein komplettes Album allein geschrieben. Kalle kam dann wieder, wir sind mit ihm ins Studio, und dann ist er eigentlich schon wieder losgefahren. Das ist ein paar Jahre her, aber heutzutage gar nicht mehr denkbar, weil wir mit Hausi mittlerweile einen neuen Schlagzeuger haben und Kalle wieder fest in Osnabrück wohnt. Aber wenn ich an 2019 denke, dann ist es das: Erstes Album, sehr viele Shows, viele Anfragen und wir waren zu zweit. Kein Fahrer, kein Mercher, niemand, der mit uns geschleppt hat. Wir sind zu zweit im PKW, hinten drin Boxen und Gitarren, durch Deutschland, die Schweiz, Holland, wohin auch immer, gefahren. Das war crazy. Im Gegensatz dazu neigt sich 2025 nun dem Ende zu und wir haben so viele Shows gespielt wie noch nie und sind total mit unserem neuen Schlagzeuger zusammengewachsen. Das ist total schön, und eben auch wieder eine neue Form dieser Band.

Das Statement „10 Jahre EREMIT“ hätte mich vor drei Jahren noch wahnsinnig gemacht im Sinne von: Wir müssen noch so viel schaffen! Dadurch, dass wir den ersten Zyklus abgeschlossen haben, in der Musik und in der erzählerischen Form, hat sich bei mir ein bisschen Ruhe eingestellt. Wenn ich jetzt aus dem Fenster hüpfe oder mich der Bus plattmacht, habe ich zumindest den ersten Zyklus abgeschlossen. Den hab ich der Welt hinterlassen. Das war mir als Künstler sehr wichtig. Das heißt nicht, dass es nicht weitergeht, ich hab tausend Sachen im Kopf, die ich machen will, aber das ist ein großer Meilenstein. Wir haben es geschafft, in zehn Jahren diesen Zyklus abzuschließen, der von Anfang an absehbar war. Ich weiß noch, als wir das allererste Mal mit EREMIT im Studio bei Role in der Tonmeisterei waren und wir mit ihm über unsere Pläne gesprochen haben. Also über das erste Album, die Konzeptstory und den Zyklus. Er meinte: „Wie lange geht das denn weiter?“ Unsere Antwort war damals schon, dass wir zehn Alben geplant haben. Da hat er verständlicherweise große Augen gemacht. Wir haben gewitzelt, dass er noch nicht in Rente gehen darf, weil wir ihn noch ein paar Jahre brauchen werden. Schon damals war klar: EREMIT sind zehn Alben. Wir haben jetzt in zehn Jahren drei geschafft (lacht). Ob wir jemals zehn schaffen können, kann ich nicht sagen. Aber ich bin froh, dass wir den ersten Zyklus abgeschlossen haben. EREMIT ist in der Hinsicht für mich auch wie ein spannendes Videospiel, mit einem determinierten Ende. Zehn Alben, dann ist die Geschichte eigentlich auserzählt.

Ob wir das wirklich hinkriegen, weiß ich nicht. Der Hauptteil der Arbeit der letzten zehn Jahre lag bei mir. Das heißt: Zehn Jahre meines Lebens lag mein Hauptaugenmerk auf dieser Band. Man muss da auch ehrlich sein, das hat Höhen und Tiefen. Es gibt ein Interview von einem US-amerikanischen Rapper, Ghostemane, in dem er gefragt wird, wie sich das denn nun so anfühlt mit Fame, Ruhm und Money, und seine Antwort ist, dass das natürlich cool ist, aber die Leute nicht sehen, was man dafür aufgegeben hat. Wie Freundschaften oder die Familie darunter gelitten haben, was für Job-Opportunities man abgelehnt hat. Ich kann das zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Irgendwann gab es für mich auch Zeiten, da kam mir EREMIT wie ein Dämon vor, der mich komplett übernommen hatte. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, weil ich mein Wesen auch komplett an diese Band geheftet hatte. So im Sinne von: Damit stehe oder falle ich. Wenn was nicht geklappt hat, und ey in zehn Jahren klappen natürlich ne Menge Sachen nicht, dann hieß es nicht „ja schade“, sondern: „Da hängt mein Leben dran! Wenn das nicht klappt, dann ist das richtig scheiße.“. Das ist dieses Manische am KünstlerIn-Sein. Das hab ich da am eigenen Leib erfahren. Ich hab irgendwann verstanden, dass ich vom Wesen her Künstler bin und ich liebe das. Ich hab was ganz anderes studiert, aber das hat jetzt zehn Jahre mein Leben dominiert, und erstmal ist noch kein Ende in Sicht.

Ich denke das ist eine ganz wichtiger Punkt. Leute die sich in der Underground-, oder DIY-Szene involvieren, stehen denke ich immer wieder vor der Entscheidung, was “opfere” ich für die Sache. Bei euch muss man ja auch sagen, dass Ihr eine sehr aktive Band seid. Lass uns doch mal auf die veröffentlichten Tonträger eingehen. Es sind drei reguläre Full-Length-Alben, zwei EPs, die eigentlich auch eine Länge haben, wo eine Powerviolence-Band zwei, drei Alben draus machen kann. Ihr habt dazu eure Compilation veröffentlicht, eine Live-Vinyl, VHS-Kassette und zuletzt auch ein Tape. Das sind jetzt wie gesagt nur die Tonträger und mit diesen Veröffentlichungen habt ihr eigentlich auch erst 2019 angefangen. Bei allem, was du beschrieben hast, ist das ja ein konstant hoher Output.

In der Aufstellung steht, glaube ich, auch nur eine Sache nicht, was das Musikalische angeht. Amüsanterweise hab ich mich letztens darüber aufgeregt, dass es auf Metal Archives nicht steht: Wir haben ja dieses Jahr noch in einer 50er-Auflage das Vigor of Duh~hul-Tape rausgebracht. Darauf befindet sich ein Song vom vierten Album, was wir natürlich auch schon aufgenommen haben. Das ist unser klassischer Move: Wir haben eigentlich immer das nächste Album schon in der Hand. Wenn ein Album rauskommt, haben wir das nächste schon aufgenommen.

Genau, wir haben drei Studioalben rausgebracht. Ende 2015 haben wir uns gegründet, und 2019 kam erst das erste Album, auch wenn Metal Archives 2018 schreibt, das ist auch nicht richtig (lacht). Die erste EP war relativ spontan. Wir waren im Studio, haben fünf Songs aufgenommen und wussten noch gar nicht, wie wir die verwurschteln wollen. Ich kam irgendwann zur Probe und machte den Vorschlag, drei der Songs als Full-Length zu nehmen, weil das ein geiles Album-Paket wäre und die anderen zwei Songs nutzen wir einfach als EP. Storytechnisch spannend ist daran, dass dadurch die beiden Songs der EP chronologisch nicht auf das vorherige Album aufbauen. Unsere zweite EP (Rise of the Ruan~angh) ist dann auch ein kompletter Spin-off, so wie es „Rogue One“ im Star Wars-Universum ist. Wir haben uns damit eine Option geschaffen, mit der wir auch Stories außerhalb der Main-Lore erzählen können. Das eröffnet uns natürlich Spielraum fürs Storytelling, weil wir dadurch Sachen rausbringen können, die sich nicht mehr auf den Hauptcharakter konzentrieren. Um in der Computerspiel-Analogie zu bleiben: Das sind für uns Sidequests. Wenn wir sagen würden, wir wollen das Spiel schnell durchspielen und am Ende sein, wäre das kontraproduktiv. Rise of the Ruan~angh ist tatsächlich auch mein Lieblingsrelease, glaube ich. Wir spielen gerne mit der Lore. Und für mich war’s spannend, herauszuzoomen und zu gucken, was passiert denn zeitgleich an anderer Stelle in dieser Welt. Was könnten wir erzählen, vielleicht als Querverweis zu Ereignissen, die schon berichtet wurden?


Das heißt also, Rise of the Ruan~angh steht storytechnisch außerhalb des bisher runtergeschriebenen Pamphlets?

Genau, ja. Apropos: Wenn man auf die Discografie schaut, erweckt das vielleicht den Eindruck, dass im Jubiläumsjahr gar nicht so „das große Ding“ kam. Klar, wir haben die VHS gemacht und so weiter, aber das wirklich große Release dieses Jahr ist eben das Buch. Also Pamphlet 3, die letzte Version vom Buch. Das sind 400 Seiten High Fantasy! Da muss ich mich auch selbst dran erinnern, da das Release jetzt auch schon wieder ein paar Monate her ist, aber das kam ja auch dieses Jahr raus. Und wenn man vom „Main Release“ sprechen will, dann war das dieses Jahr das Buch.

Das ist ein wunderbarer Satz, der euch meiner Meinung nach sehr gut beschreibt: „Das Main Release war dieses Jahr das Buch.“

Rise of the Ruan~angh ist also dein Lieblingsrelease. Wie guckst du denn rückblickend, sowohl was die Songs als auch den Sound angeht, auf eure frühen Veröffentlichungen wie die angesprochenen Carrier of Weight oder Desert of Ghouls?

Wir haben am ersten Anniversary-Tag Carrier of Weight komplett gespielt. Wir hatten also quasi ein Oldschool-Set und haben die Songs gespielt. Der Plan war auch, dass wir „Dry Land“, den ersten Song vom ersten Album, mit Marco, dem originalen Schlagzeuger, spielen. Der war aber dann leider krank, das hat nicht geklappt.

Soundmäßig ist’s schwierig. In den ersten fünf, sechs Jahren hab ich selber mehr EREMIT gehört, jetzt hör ich weniger EREMIT. Vielleicht liegt’s auch daran, dass Raumordnung so präsent ist. Ich hab witzigerweise das aktuelle Deaf Forever gelesen und da war eine Band, die ein Album neu aufgenommen hat, das 15 Jahre alt war. Ich glaub, das ist nicht unser Ding. Ich würd lieber nach vorne schreiten und Neues machen. Klar, es gibt Sachen, wo ich weiß, die würde ich heute anders machen, aber so ist das ja immer. Wir haben nun mal schon einen 23-Minuten-Song, der nur ein Riff ist, das werden wir wahrscheinlich nicht nochmal machen. Wobei: Marco und ich haben in der Zeit, als wir zu zweit waren, tatsächlich lange versucht, nochmal ein „Dry Land“ zu schreiben. Wir haben lange so ein Riff gesucht, aber es kam nie. Dann haben wir anderes Material geschrieben. Der Song ist also ein Alleinstellungsmerkmal für Carrier of Weight.

Beim dritten Album gibt’s in der Tat ein paar Stellen, wo ich sage, das würde ich heute anders machen. Live spielen wir die Sachen eh ein bisschen anders. Mittlerweile gibt’s Saxophon und Mundharmonika und noch mehr Trompete, wir sind freier geworden, experimenteller. Zum Beispiel: Die aktuelle Live-Version von „Entombed in a Prism of Blindness“, der zweite Song vom dritten Album, gefällt mir besser als die Studio-Version. Es gibt da diesen langen Part mit Saxophon und Mundharmonika, bei dem wir in so eine Art Blood-Incantation-, oder 70er-Jahre-Jam verfallen. Das lockert das Arrangement auf und macht den Part danach noch finsterer. Aber das würde ich nicht rückblickend ändern wollen. Ich will das dann lieber in neuen Sachen integrieren und weiter nach vorne treiben.

Zum Sound habe ich eine ambivalente Einstellung. Manchmal lege ich EREMIT auf und denke: „Boah, der Sound ist kacke. Irgendwie ist es das nicht, wieso finden das Leute gut?“ (lacht). Manchmal denke ich aber auch “Boah das ist fett”. Was Sound angeht, bin ich in der Band derjenige, der am meisten rumprobiert. Kalle hat eigentlich ein Gitarren- und Amp-Setup, das spielt er seit 2019. Da hat sich im Prinzip so gut wie gar nichts verändert. Ich dagegen bin immer am rumprobieren. Ich hab zwei feste Minen (Effektpedale), was Verzerrung angeht, die ändern sich nicht, aber ich hab immer einen zweiten Effektweg, an dem ich rumdoktere. Verschiedene Amps, mehr Amps, andere Boxen. Ich probier viel.

Ihr sucht auf der einen Seite nach einem Riff, um daraus nochmal einen kompletten Song zu schreiben. Auf der anderen Seite wirken eure neueren Songs vollgepackt mit Ideen, die über Riffing hinausgehen. Wie bewusst war dieser Schritt? War das ein forciertes „Wir müssen woanders hin“, oder eher ein Loslassen von Erwartungen, das euch automatisch in diese Klangwelt geführt hat?

Es ist beides. Es gibt Momente, wo wir wissen, wie wir einen Song schreiben wollen. Der hat XY, der ist mega lang oder ruhig oder was auch immer. Aber gleichzeitig schreiben wir Riffs und gucken, was passiert. Dass das dritte Album eine vierfach-LP geworden ist, war überhaupt nicht geplant. „Conflicting Aspects of Reality“, der erste Song, dauert halt 63 Minuten. Das war nicht geplant. Marco und ich haben angefangen zu schreiben und wir haben einfach weitergeschrieben, weitergeschrieben, weitergeschrieben, und es hat nie aufgehört. Und irgendwie fanden wir’s ab einem gewissen Punkt lustig. Wir wussten ewig nicht mal, wie lang der Song ist, weil wir immer nur einzelne Teile geprobt haben. Irgendwann haben wir uns gesagt, lass uns das mal am Stück spielen und dachten dann, okay, das ist schon echt Sleep-„Dopesmoker“ oder Bell-Witch-mäßig. Und witzigerweise ist der Song, glaube ich, genau 12 Sekunden länger als „Dopesmoker“. Aber das war Zufall. Ein Zufall, über den wir schmunzeln mussten.

Also wie gesagt, es ist ein bisschen beides. Ich bin jemand, der hört sehr viel Musik, geht gern in Ausstellungen, ins Theater, Kino. Ich konsumiere gern Kunst. Oft ist es so: Ich höre irgendwas oder sehe irgendwas, finde das geil und will das dann auch machen (lacht). Zwischen dem Impuls und dem Moment, an dem man dann tatsächlich an etwas arbeitet, besteht aber immer ein Transformationsprozess. Wie will ich das machen? Wie kann ich das überhaupt umsetzen? Das hat ja oftmals wirklich viel mit Können zu tun. Niemand von uns ist gelernter, also ausgebildeter Musiker. Das heißt, unsere Skills limitieren uns natürlich auch. Aber ganz konkret: Ich finde Bohren & der Club of Gore richtig gut und kam dann eben mal in den Proberaum und habe vorgeschlagen, was Ruhiges mit Saxophon zu machen. Im EREMIT-Gewand.

Das neue Material jetzt wird nochmal ganz anders. Die Leute, die das Tape schon gekauft haben, können schon ein bisschen in die Zukunft gucken. Vom Songwriting her war es für uns nochmal ein neues Gefühl, weil wir jetzt den zweiten Zyklus haben und ein bisschen von vorne anfangen. Also: Wieder ein erstes Album schreiben, aber wie klingt dieses erste Album? Das war spannend.

by Ben Zodiazepin

„Für mich ist das auch wie ein Rückzug. Ich kann immer dahin, ich kann da rumwandern. Und live sehe ich einen Film, den’s nicht gibt. Ich bin in dieser Welt.“


Dann lass uns doch vielleicht mal auf den ersten Zyklus zurückblicken. Ihr erzählt als Band, mit allem was ihr macht, eine Geschichte. Ganz vereinfacht: Eine Fantasy-Geschichte. Kannst du kurz, so spoilerfrei wie du magst, eine Zusammenfassung geben, was bisher passiert ist, für jemanden, der noch gar keine Berührungspunkte mit euch hatte?

Vielleicht vorweg: Dieses „alles ist Story, alles ist Kanon“, da sind wir nicht die Ersten mit der Idee. Wir machen das nicht, um „krasser“ zu sein. Ich glaube, das kommt daher, dass ich lange Metal-Fan war in meinen Teenage-Years, und ich fand Albumcover und Artworks immer krass. Suffocation oder sowas, diese düsteren Sci-Fi-Fantasy-Welten. Und dann machst du das Booklet auf, liest die Texte und denkst: Das gehört ja gar nicht zusammen. Der singt was ganz anderes, was soll denn dann das Cover?

Oder Maiden: Überall ist Eddie, aber dann singen sie über alles Mögliche, zum Beispiel Alexander den Großen. Ich hab immer so ein bisschen vermisst, dass das wirklich zusammenhängt.

Ich hab große Welten geliebt. Das kommt natürlich auch daher, dass ich als kleiner Knirps „Der Hobbit“ von meiner Mutter bekommen und gelesen habe. Hinten im Klappentext stand sowas wie: „Es gibt noch mehr Geschichten aus dieser Welt.“ Dann war der nächste Schritt, die „Herr der Ringe“-Bücher zu besorgen und da wurde ich total reingezogen. Diese Idee, eine komplett eigenständige Welt zu erleben, das hat mich beeindruckt, bewegt, verändert. Und diese beiden Stränge haben dazu geführt, dass ich schon immer an einer Welt rumgedoktert hab. Auch schon vor EREMIT hab ich in dieser Welt Geschichten erdacht und aufgeschrieben. Das waren Solo-Projekte, aber nie konsistent und nie mit komplettem Fokus. Mit EREMIT hab ich das ernster genommen und wirklich in die Breite gebracht.

Zur Geschichte: Wir lernen einen Seefahrer kennen, der ist entfernt humanoid. Er lebt auf einem Schiff, er hat nur seinen Vater. Die Mutter ist bei der Geburt gestorben. Er kennt eine simple, bipolare Welt: Wasser unter ihm, Himmel über ihm. Und er kennt nur sich und seinen Vater. Für ihn existiert im Grunde nur ein endloser Horizont, nirgendwo ist Land. Der Vater erklärt ihm eines Tages aber: Wir kommen gar nicht vom Wasser. Wir sind hier eigentlich fremd. Vor Generationen gab es eine sogenannte Weltenflut, die uns das Land geraubt hat. Seitdem suchen wir unser Land. Und er sagt quasi auch die beiden sind wahrscheinlich die letzten ihrer Art. Er lebt in einer Welt, die er nicht hinterfragt, und gleichzeitig wird ihm gesagt: Eigentlich bist du falsch, auch wenn du nichts anderes kennst. Aus dieser emotionalen Lage heraus lernen wir die Welt und die Geschichte kennen.

Der Vater stirbt irgendwann. Und dieser Seefahrer trifft in fortgeschrittenem Alter das erste Mal auf ein anderes Boot. Hier spricht ein Wesen mit ihm, in einer Sprache, die sein Vater nicht gesprochen hat, die er aber trotzdem versteht. Das Wesen informiert den Seefahrer darüber, dass er seit jeher einem falschen Kurs folgt und bringt ihn quasi mit seinem letzten Atemzug auf einen neuen Kurs. Und so findet der Protagonist, der ewige Seefahrer, irgendwann Land. Damit startet seine Reise. Wir lernen dabei, dass er herausfinden will, was die Weltenflut ausgelöst hat. Er möchte wissen, wo das Land ist, von dem er eigentlich abstammt. Und er merkt, dass der Kurs, der seinem Volk gegeben wurde, mehr oder weniger ein Fluch war und eher das Gegenteil bezwecken sollte – dass nämlich dieses Volk nie Land finden sollte. Daraus entstehen Fragen: Wer hätte Interesse daran? Was steckt dahinter?

Im Verlauf findet der Seefahrer so also ein verwunschenes, brutales und erschütterndes Land. Er, der Zeit seines Lebens nur Kontakt zu seinem Vater hatte, lernt nach und nach verschiedene Charaktere kennen. Als erstes trifft er in den Grotten, nachdem er die See verlässt, ein sehr altes Wesen, das im Sterben begriffen ist. Es handelt sich um einen alten Zauberer, der ihm Wissen und ein Schwert an die Hand gibt. Das ist ein besonderes Schwert und sagen wir es so, von da an passieren viele Dinge.

Es ist eine Story voller Introspektive. Wir bekommen sehr viel von der inneren Gedankenwelt des Protagonisten mit. Es geht viel um Verzweiflung, um Fragen und Verunsicherung. Er ist umgeben von einer Welt, die er nicht kennt. Antworten zu finden ist sehr schwierig. Die Welt ist ihm feindlich gesonnen und er weiß oft nicht, warum das so ist. Und ja: Wir machen zwar Metalmusik, aber da schreit jemand, da leidet jemand. Das speist sich direkt aus der Geschichte. Es gibt auch schöne Momente. Er trifft später einen Charakter, der ihn begleitet, und da kommt zum ersten Mal wieder Wärme rein, Zuneigung, eine innige Verbindung. Und dann begleiten wir lange diese Zweiheit. Dabei entsteht auch mal Reibung. Mal sind sich die beiden näher, mal fremder. Aber sie scheinen immer derselben Quest zu folgen.

Es ist eine lange Reise, 400 Seiten High Fantasy. Ich sage immer: Es ist eine Vorschrift-Version, deswegen heißt es Pamphlet. Wir haben drei Pamphlete: Pamphlet 2 beinhaltet die Ausgaben 1 und 2. Pamphlet 3 beinhaltet 1, 2 und 3. Derzeit sind alle Versionen vergriffen, aber es kommt eine zweite Auflage von Pamphlet 3 nächstes Jahr (2026). Ich hab zehn Jahre lang an diesem Buch geschrieben. Sehr viel Arbeit, sehr viele Stunden sind da eingeflossen. Meine Mutter hat irgendwann angefangen die Geschichte zu lesen und hat aufgehört, weil sie mich so stark in der Story wiedererkannt hat. Sie ist beim Lesen ziemlich emotional geworden. Im ersten Moment ist das positiv, das Buch bewegt Menschen. Und mich befriedigt das total, dass wir so ein Universum geschaffen haben, wo alles zusammengehört. Ich sag das auch gerne bei Shows: Jedes T-Shirt-Artwork, jedes Cover-Artwork, jeder Textteil, jeder Song, alles gehört zu dieser Geschichte, alles ist Kanon. Du kannst mir jedes Shirt aus zehn Jahren zeigen und fragen: Was ist das, wo spielt das, in welchem Song findet das statt? Und ich kann viel dazu sagen. Für mich ist das auch wie ein Rückzug. Ich kann immer dahin, ich kann da rumwandern. Und live sehe ich einen Film, den’s nicht gibt. Ich bin in dieser Welt. Das ist ein Tool, um in Stimmung zu kommen und Gefühl rüberzubringen, weil ich mich da reinfallen lassen kann und die Charaktere fühle, weil ich seit zehn Jahren mit ihnen in dieser Welt bin.

Wenn du beim Live-Spielen einen Film siehst, wie fühlt sich das an, wenn ihr mit so vielen Artists zusammenarbeitet und du dann plötzlich die angesprochenen Grotten visualisiert siehst oder auf einem Hoodie dem Protagonisten in die Augen gucken kannst?

In den meisten Fällen ist das wie Weihnachten für mich. Ich kann überhaupt nicht zeichnen, ich bin da null begabt. Ich bin total abhängig davon, dass andere KünstlerInnen diese Welt visualisieren, die ich im Kopf habe. Und ich bin wirklich fortunate, dass ich das erleben darf. Ich sitze am PC, sehe eine Mail, sehe ein Attachment und denke: Okay krass, jetzt sehe ich was Neues. Das macht mir total Freude. Ich bin happy, dass ich über zehn Jahre so oft Artwork beauftragen durfte und mit so vielen wunderbaren KünstlerInnen zusammenarbeiten konnte. Es ist natürlich ein Filterprozess. Es trifft nie 100% genau meine eigene Vorstellung, weil immer Stil, Sicht und Ausdruck des Künstlers drin sind. Da gab’s auch schon Reibungen. Was gefällt mir, was gefällt mir nicht. Manchmal kommt die Sprachbarriere dann zusätzlich ins Spiel und du fragst dich wie du das in einer Mail rüberbringst, vielleicht auf Englisch, vielleicht kann die Person aber auch weder Deutsch noch gut Englisch. Dann feilt man eben. Auf unsere visuellen Kanäle der letzten zehn Jahre bin ich unglaublich stolz. Wir haben visuell kohärent was geschaffen und geben Einblicke in diese Welt. In meiner Idealvorstellung hätte ich vielleicht von Anfang bis Ende den gleichen Künstler gehabt. Aber in der echten Welt ist es eben so, dass Geschmäcker sich ändern und auch Künstler sich verändern. In den ersten Jahren haben wir beispielsweise viel mit Ryan Choi gearbeitet, ein unglaublich talentierter Illustrator, der viele der Wüstenillustrationen gemacht hat. Und der hat irgendwann aufgehört mit der Illustration und ist Boxer geworden. Mit dem hätte ich bis EREMIT Part X arbeiten können, aber so ist das eben. Ich wandere durch digitale Galerien, Instagram-Feeds, sehe KünstlerInnen und denke: „Krass, das ist gut.“ Durch die Band habe ich gewisse Ressourcen und kann zumindest anfragen, was eine Illustration kostet. Witzig vielleicht auch: Leute denken, ich hab die Ölgemälde der Alben gemalt. Spoiler: Hab ich nicht. Ich kann nicht Musik schreiben, ein Buch schreiben und noch Öl Gemälde malen. Irgendwo ist mal Schluss.

Und es begrenzt sich ja eben nicht nur auf die Cover oder das Artwork eurer Platten. Ich hab in der Vorbereitung die Live-Vinyl aus Kaufbeuren nochmal aufgelegt und das erste Mal richtig in den Schuber reingeguckt: Da blickt mich ein Gesicht an. Auf jeder Seite, überall wo Platz ist, findet sich Kunst. Das beschränkt sich nicht nur auf die Ölgemälde.

Ein schöner Satz. „Überall wo Platz ist, befindet sich Kunst“, genau das versuchen wir. Ich mag physische Medien sehr. Ich bin großer Comic- und Graphic-Novel-Liebhaber. Ich mag es etwas in der in der Hand zu haben. Da ist in zehn Jahren viel Gehirnschmalz in die Konzeptionierung unserer physischen Releases geflossen. Ich arbeite seit vielen Jahren mit Sabrina Stegmann zusammen, eine Schulfreundin. Sie ist Designerin und mittlerweile die In-House-Designerin von Drei Gleichen, unserem Label. Zusammen mit guten Freunden Kunst schaffen zu können, ist nochmal was ganz anderes. Das ist ein Geschenk!

© Maxwell Aston



Wir sind bei der Kunst, bei den Ölgemälden und dass alles Kanon ist. Alles ist eine Welt. Lass uns in diese Welt einsteigen, die ihr beschreibt, illustriert und musikalisch darstellt. Wir begleiten einen Protagonisten, auf einer Welt. Diese Welt besteht aus drei Körpern. Auf eurem letzten Album EREMIT 3 ist das schön illustriert. Man muss sich das visuell wie einen ausgehöhlten Zylinder vorstellen, in den eine Kugel „reinbricht“. Dadurch entstehen, wenn ich es richtig verstehe, drei Körper: ein Meer, etwas Festes, und eine gasförmige Nebelwelt. Kannst du diesen Aufbau etwas näher beschreiben?

Für mich war immer wichtig, nicht einfach unsere Erde als Schauplatz zu nutzen. Ich fand Tolkiens Welt geil, aber ich fand’s irgendwie auch schade, dass es quasi unsere Welt ist. Ich tendiere da mehr Richtung Sci-Fi. Das bedeutet komplett andere Lebensumstände, anders als unsere Welt, anders als unser Universum. Bei der Entdeckung dieser Welt hab ich mir grundlegende Fragen gestellt. Beispielsweise, woher das Licht kommt. Wenn es keine Sterne gibt, die Licht emittieren, wie bei uns, wie existiert dann überhaupt etwas? Und so bin ich auf diese Form gekommen. „Ya~wa“, diese Welt besteht aus einem Weltenmeer, kugelförmig, eingesetzt in einen hohlen Zylinder. Dieser Zylinder ist Festmaterie, eine Klippenwelt, ein terrestrischer Körper. Und der ist gefüllt mit einer Nebelwelt, von der wir bisher am wenigsten wissen. Dieses Gebilde befindet sich wiederum in einem größeren Körper. Von diesen Körpern, den “Sabeih~kura” oder “Eon”, existieren viele. Das sind sehr, sehr große, qualenförmige Lebensformen, die sich in einem Raum bewegen, den ich aber hier nicht näher erläutern möchte.

Das heißt: Die EREMIT-Geschichte spielt in einer Welt, aber diese Welt ist nur eine von mehreren in einem noch größeren organischen Lebewesen. Box in Box in Box. Eigentlich ein bisschen wie bei Men in Black. Am Ende von Men in Black 1 wird am Ende raus gezoomt und du siehst, wie klein alles ist, dass unser ganzes Universum nur eine Murmel ist und irgendwelche Aliens spielen damit Kugelspiele. Diese Größenskalierung und diese Ambivalenz zwischen „es ist komplett egal, weil es so klein ist“ vs. „für die Wesen da drin ist es die ganze Welt“. Das ist wie bei uns: Wir wissen seit über 100 Jahren, wie groß das Universum ist, und trotzdem leben wir unser individuelles Leben. Diese Ambivalenz finde ich total spannend. Das findet sich so auch in der Welt von EREMIT wieder. Es gibt dort große Entitäten, kleine Entitäten. Mit Kollektiv Raumordnung beginnt die Geschichte genau in dem Moment, wo EREMIT enden wird, nach den zehn Alben.

Es ist ein bisschen angelegt wie bei Der Hobbit und Herr der Ringe. Wiederum Übergänge und größere Skalierungen. Und das Große findet sich im Kleinen, das Kleine im Großen, das hat mich immer interessiert. Das gab es in der Welt auch schon vor EREMIT. Die Vorgängerband Dragged hat bereits Geschichten aus dieser Welt erzählt. Aber EREMIT hat’s konkreter gemacht und durch die Zusammenarbeit mit visuellen KünstlerInnen konnte ich es stärker illustrieren. Deshalb gibt es im dritten Album und auch im dritten Pamphlet auch diese Abbildungen. Das sind Einblicke, damit man besser nachvollziehen kann, wo man sich überhaupt befindet und dass es doch weniger ein Universum ist, wie wir es kennen.

Ein super Kniff. Für mich war das ein Aha-Moment, das visualisiert zu bekommen. Gerade in der Rückschau, wenn man Raumordnung gehört hat und dann den Eon nochmal sieht. 

Wenn wir da reinzoomen: Du hast in einem Interview mal über die Sprache in dieser Geschichte und ihre Entstehung gesprochen. Was ich mich dabei gefragt habe: Gibt es in der Welt eigentlich auch eine schriftliche Ausdrucksform? In vielen eurer Designs tauchen ja, ich nenn’s mal tribalartige Ornamente auf. Sind das lesbare Schriftzeichen oder im weitesten Sinne Kommunikationsformen?

Das steht irgendwo auf meiner To-do-Liste, dass ich mal eine ikonografische Darstellung oder Symbolerklärung mache, weil wir in den zehn Jahren eine Tiefe an Symbolen geschaffen haben, die nicht zu verachten ist. Im zweiten Pamphlet ist ja das Siegel von Un~nu~in-wamu drauf, das haben wir in den ersten fünf Jahren viel benutzt. Dann das Drei Gleichen Symbol, die drei schwebenden Figuren, unser Labelzeichen. Dann diese tribalartigen, insektenmäßigen Symbole, die mit dem dritten Album und der Live-Vinyl das erste Mal auftauchten. Die haben natürlich eine Bedeutung, die kommen aus bestimmten Ecken der Welt, gehören zu bestimmten Charakteren. Ich müsste da wirklich mal konkreter drauf eingehen. Also welche Symbole stehen für wen, wer verwendet sie.

Die Idee zu diesen Ornamenten hat zum einen damit zu tun, dass Ich Symbolik ansich spannend finde. Dazu ist das ja ein klassisches Sci-Fi-Element. Protagonisten betreten einen Tempel, entdecken Symbole, wissen erst nicht, was sie bedeuten und erst im Verlauf der Geschichte wird es klar. Damit spiele ich gern. Und ich entdecke die Welt auch selbst, während ich drüber rede. Wenn wir jetzt darüber sprechen, hab ich sofort Lust, in den Teil der Welt zu wandern und darüber nachzudenken, wer da lebt. Welche Materialien benutzen diese Bewohner? Wie dokumentieren sie und wie prägt das die Symbolik? Nach außen ist es ein Spiel aus Wissen und Unwissen, aber nicht, weil wir irgendetwas geheim halten wollen. Es ist eher eine Frage von Komplexität und wie viel Platz oder auch Zeit haben wir. Wenn jemand sagt, wir erzählen zu wenig von unserer Lore, dann sag ich: Es gibt ein 400-Seiten-Buch. Da gibt es keinen Shortcut, du musst es schon lesen. Da muss ich den Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann mit dem Satz zitieren: „Komplizierte Gegenstände müssen auch kompliziert dargestellt werden, sonst wird man ihnen nicht gerecht.“ Auf der anderen Seite muss man aber natürlich auch sagen: Ich bin kein Tolkien. Ich bin kein Sprachwissenschaftler. Ich hab keine komplett kohärente Kunstsprache gebaut. Es gibt Eigennamen, Wörter, aber nicht eine ganze Sprache. Das Buch ist auch organisch entstanden. Ich hab’s angefangen, ohne Plan, und ich denke, man merkt auch beim Lesen, dass man einen Autor begleitet, der zehn Jahre dran schreibt. Ich finde, der Anfang des Buchs liest sich sicher anders als das Ende.

Ich möchte nochmal zu diesem Vergleich zu einem Videospiel kommen.
Es gibt eine Mainquest, das ist die Musik. Man kann aber auch das Buch lesen, um noch tiefer einzutauchen. Zusätzlich gibt es dann aber eben beispielsweise auch das Comic zur Raumordnung. Wenn man aufmerksam ist, wird dort auf den ersten Seiten relativ schnell nochmal mehr klar über die Welt von EREMIT.

Und es gibt Lore-Inhalte, die man nur auf bestimmten T-Shirts findet. Oder Dinge stehen in den Alben, die im Buch nicht stehen. Texte in Songs sind nochmal anders als das entsprechende Kapitel im Buch. Das ist ein Puzzlespiel, das mag ich. Querverweise wie bei Jodorowsky. Bei der Live-Vinyl stand innen „The Future Will Show“ und auf der anderen Seite „The Rise of the Ruan~angh“, bevor Rise of the Ruan~angh rauskam. Das Nerd-Herz schlägt da vermutlich an. Ähnlich ist es jetzt mit dem von dir angesprochenen Prolog-Comic: Er soll Geschmack geben, Fragezeichen erzeugen. Und trotzdem erkennt man als EREMIT-Hörer: „Wait – das hab ich schon mal gesehen.“

Weil du die Texte angesprochen hast: Ich finde, man würde sich etwas vorenthalten, wenn man eure Texte nicht als das liest, was sie sind, denn sie sind mehr als nur ein Teil der Musik. Deine Texte schwanken stark: mal sehr erzählend, fast schon Prosa, mal krass abstrakt. Ich hab zwei Beispiele für diesen kontrast. Die Schlachtenbeschreibung bei Beheading the Innumerous auf Desert of Ghouls und dann Passages of Poor Light aus der Wearer of numerous Forms unterscheiden sich sehr stark. Bei letzterem denke ich mir immer das ist das vertonte Staffel-Finale. Du entscheidest das ja nicht zufällig, welche Form ein Text zu welchem Kapitel annimmt, oder?

Ich weiß immer schon grob, was in einem Song passiert. Es gab eigentlich nie den Fall, dass wir einen Song geschrieben haben und ich wusste noch nicht, was passiert. Vielleicht ganz am Anfang, beim allerersten Album. Da haben wir Riffs geschrieben, Monate bevor ich Texte gemacht habe. Aber im Gesamtbild: Ich weiß schon, worum’s geht. Ich schreibe die Texte meistens auf bestehende Songs. Und ich orientiere mich auch am Song. Blackmetal-Parts, ruhige Stellen, Ambient-Parts, die haben eine Bedeutung, die sind nicht zufällig, das ist mit der Lore verknüpft. Die Texte sollten dem entsprechen. Seit ein paar Jahren läuft es meist folgendermaßen ab: Ich hab eine Demoaufnahme aus dem Proberaum und ich schreibe erstmal einfach runter, was passiert, ohne dass es schön sein muss. Einfach, was passiert in diesem Kapitel. Daraus kristallisieren sich im nächsten Schritt Phrasen. Ich gucke dann, wie diese Phrasen auf das Riff passen. Ich sammle gerne Wörter. Ich mag Klang und Bedeutung. Ich hör irgendwo ein Wort und denke: „Das ist krass.“ „Aquädukt“ zum Beispiel, das ist ein Wort das mir gefällt, das liegt seit Jahren rum, vielleicht passt es irgendwann mal und ich verwende es.

Ich hab auch früher in der Uni immer zwei Blöcke gehabt: Einen fürs Seminar, und einen für Wörter, Sätze, Phrasen, die ich gut fand. Und manchmal fließt das direkt ein. Auf dem dritten Album gibt’s den Satz „From where I stood, I heard the sickening whacks“ – den gibt’s fast eins zu eins aus einem Buch über den Salzmarsch von Gandhi, wo beschrieben wird, wie Leute zu Tode geschlagen werden. Dieser Satz hat mich so gepackt und es gibt in unserer Geschichte eine ähnliche Szene, also ist der Satz da reingeflossen. So entstehen Texte mal aus der Erzählperspektive, mal als reine Bildworte ohne Satzstruktur, nur durch Atmosphäre. Bei Raumordnung ist es nochmal anders: Da gibt’s einen Erzähler auf Deutsch, japanische Teile, englische Teile. Das ist ganz anders aufgefächert.



Bevor wir zur Raumordnung kommen, möchte ich noch über das nächste EREMIT-Release mit dir sprechen. Du hast es ja vorhin gesagt, 2026 wird man mit einem neuen EREMIT-Full-Length rechnen dürfen und es wird sich ein bisschen was verändern. Was kannst du schon sagen?

Ja… eigentlich kann ich dazu zu wenig sagen oder ich will wenig dazu sagen.
Nur so viel: Das Album ist aufgenommen. Das erste Mal bei Studioaufnahmen hab ich geweint und ich hab vor Lachen geweint. Es war vielleicht der emotionalste Aufnahmeprozess eines EREMIT-Albums bisher. Wir hatten sehr viel Freude, wir haben uns richtig kringelig gelacht bei der Vorstellung, wie Leute das hören. Und auf der anderen Seite war ich manchmal so erschüttert, dass ich geweint hab, wenn Sachen vielleicht nicht so funktioniert haben, wie ich wollte. Es ist durch die Geschichte ein Neustart. Wir haben das nicht dieses Jahr aufgenommen, sondern schon 2024. Das heißt, wir haben’s schon ganz schön lange in der Hand. Es ist ein bisschen durch Kollektiv Raumordnung nach hinten gerückt. Außerdem gibt es im Moment (Dezember 2025) noch offene Fragen zum Artwork. Ich bin da noch nicht 100% happy. Aber: Es soll nächstes Jahr kommen. Ich bin im Kopf schon wieder weiter. Wir haben noch nicht mehr aufgenommen, und wir sind auch noch nicht viel zum Schreiben gekommen, weil wir mit dem neuen Drummer sehr viel live gespielt haben. Aber es gibt schon einen Plan für danach, wir haben ein bisschen rumgeschrieben. Erst muss aber EREMIT 4 raus.

EREMIT 3 war ja komplett insane: Ein über zwei-stündiges Opus. Das kann man nicht toppen. Und danach ein Album zu schreiben, war nicht so einfach. EREMIT 4 ist aus der gleichen Studio-Session wie Rise of the Ruan~angh, das ist in einem Rutsch aufgenommen worden. Soundmäßig und inhaltlich will ich nicht zu viel verraten. Es ist inhaltlich aber eben ein neuer Zyklus, wir lernen eine Eremitin kennen, die aufbricht und auch eine Reise vor sich hat. Es ist ein bisschen schizophren: Die Story spielt natürlich im EREMIT-Universum, drei Geschichten, die miteinander verwoben sind, parallel laufen, irgendwie gleich und doch anders sind. Davon leitet sich auch der Name unseres Labels Drei Gleichen ab. So ist es wohl eine Parallelwelt, in die wir mit EREMIT 4 einsteigen. Man wird vieles wieder erkennen, aber gleichzeitig ist es irgendwie anders. Im besten Fall bringt’s ein paar Stirnen zum Runzeln und ein paar Köpfe zum Nicken (lacht).

Das wollte ich eigentlich gar nicht mehr fragen, aber jetzt hast du es mehr oder weniger selbst angesprochen: Die Zahl drei ist ja in unserer Welt mythologisch riesig besetzt. Allein durch sowas wie Geburt, Leben, Verfall. Hat das bei euch Prinzip?

Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Wahrscheinlich durch unsere Sozialisation, in dieser Welt. Die Drei ist einfach sehr präsent. Es war kein Prozess à la „soll’s vier oder drei sein?“, es ist einfach drei. Das steht auch in der Einleitung des Buches: Die Geschichte, wie wir sie lesen, ist durch die Brille meines Geistes gefärbt. Wie es „wirklich“ ist, wissen wir nie. Und dieser Geist kennt nur diese Welt, in der wir sind, und da ist drei prominent. Ich denke, das hat sich einfach in die EREMIT-Geschichte übertragen.

Dann lass uns von EREMIT zur „Twin Entity“ kommen. Dem neuen Kollektiv Raumordnung, auch wenn ihr sagt, ihr arbeitet seit vier Jahren unter der Haube daran. Rein musikalisch ist es was komplett anderes. Wie kam es zu dieser Idee?

Kollektiv Raumordnung ist so das „next big thing“ für mich. Da ist sehr viel Arbeit reingeflossen. Mindestens seit vier Jahren. Die Idee von Raumordnung sollte erst eine ERMIT-EP werden. Ich wollte in der Lore weiter rauszoomen und an einer anderen Stelle der Welt eine Geschichte erzählen. Und akustisch wollte ich mich wegbewegen von dem, was EREMIT macht. Eine EP, die ganz anders wird. Dann ist die Idee gereift, größer geworden und irgendwann war klar: Das ist keine EREMIT-EP. Raumordnung soll eine eigene Band werden. Und da war ich sofort hyped. Zwei Bands, die im gleichen Universum parallel Geschichten erzählen, in eigener Sprache!

Für die Umsetzung war relativ schnell klar, ich will das anders aufziehen. Nicht als klassische Band, sondern als Kollektiv. Ich kenne so viele KünstlerInnen, VideografInnen, KostümbildnerInnen, MusikerInnen, IllustratorInnen und das weltweit verstreut. Ich durfte in zehn Jahren so viele spannende Menschen kennenlernen. Und ich dachte mir: Das muss man zusammenbringen. Dinge machen, die man sich woanders nicht traut. So ist der Kollektivgedanke entstanden. Wild und frei. Wir sind aktuell über 20 Menschen, wenn man alle zählt. Das Gerüst von Raumordnung strukturieren wir in Generationen. Am 05. Dezember ist das erste Album Stewards of Eon erschienen. Wir sind damit und mit dem Prolog-Comic am Anfang von Generation 1.

Die Veröffentlichung eines Comics hat dabei für mich total Sinn gemacht. EREMIT erzählt in Romanform, in literarischer Form, und Raumordnung erzählt in Graphic-Novel-Form. Ich bin Comic-Nerd, ich liebe Visual Art und ich hab mich auch wissenschaftlich mit Graphic Novels beschäftigt. Es war daher spannend, nicht nur Musik zu schreiben, sondern zusammen mit dem polnischen Künstler Dariusz Kieliszek auch einen Comic-Strip und ein Storyboard zu realisieren. Mit Dariusz haben wir auch bei EREMIT schon zusammengearbeitet.

So haben wir jetzt also eine neue Band, die im gleichen Universum spielt. Aber ich denke, man hört, dass es dazugehört. Diese Grenzenlosigkeit hat mich total gereizt. In Gen 1 war ich noch sehr federführend, aber ich hoffe, dass es in kommenden Generations noch viel kollektiver wird. Es ist gerade mein Herzensprojekt. Wir haben Musik, den Comic, wir haben Fotos gemacht, Videos gedreht. Ich war in Frankreich im Boulder-Urlaub und hatte meinen fetten Rucksack dabei: Stativ, Kamera, Kostüm. Damit hab ich mich in die Wildnis südlich von Paris verzogen und hab Material aufgenommen. An allen möglichen Enden wurde gearbeitet. Ich bin super happy, dass Stewards of Eon veröffentlicht ist. 

Wir haben auch schon Feedback bekommen, ziemlich positiv. Manche Leute sprechen von einem musikalischen Plot twist und das freut mich. Grenzen sehen, Grenzen überschreiten, Sachen umsetzen, die man sich nicht vorgestellt hat, das beflügelt mich. Und es kommen noch ein paar Releases in Gen 1. 2026 wollen wir weiter mit dem Kollektiv wachsen und Musik schreiben. Ich bin sehr euphorisch, das ist ein Herzensprojekt im Moment.

Du sagst, du warst für das erste Release federführend. Ich fand’s spannend, dass da eine Psytrance-Einlage drin ist. Und ich hab mich gefragt: Was passiert, wenn nicht Mo die „künstlerische Leitung“ hat, sondern z.B. eure Sopran-Sängerin, wenn sie mal die Leitung übernimmt und offen denkt? Ist das die Richtung?

Ja, das ist glaube ich die Richtung in die ich denke. In Gen 1 war es so, dass ich ein akustisches Skript geschrieben habe, um zu verdeutlichen wie ich mir das Album vorstelle. Also ich habe wirklich aufgeschrieben: Zuerst passiert das und dann passiert das. Das haben wir dann zusammengesetzt und dabei sind aber auch Lücken entstanden. Ich bin mit so einem Plan ins Studio zu Role und hab’s ihm gezeigt: „Das ist mein Plan. Du wirst mich vielleicht manchmal fragen, was jetzt kommt, und ich werde es nicht immer wissen.“ Das war freier als bei EREMIT. Bei EREMIT gehen wir mit fertigen Songs ins Studio und ändern minimal. Raumordnung: Plan auf Papier, aber wie es am Ende aussieht, war für uns offen. Wir haben im Studio rumexperimentiert, Dinge wurden anders. 

Wir planen gerade im Kollektiv, und die Idee kommt von Derk Trei, dem Narrator auf Stewards of Eon, dass wir nächstes Jahr ein Workshop-Wochenende machen. Weil wir gemerkt haben: Es gibt eine Beteiligungshürde, weil die Lore so groß ist. Menschen möchten gerne etwas beitragen, auch Musik schreiben, aber denken sie kennen die Lore nicht gut genug. Sie haben Angst, was falsch zu machen, weil Moritz der Mastermind ist. Das möchte ich anders gestalten. Wir werden uns zusammen setzen, ich erkläre mit PowerPoint die Lore im Detail. Und wir schreiben nicht nur Musik, sondern ich öffne die künstlerische Leitung. Wer Bock hat, eine Kurzgeschichte zu schreiben macht das. Ich will das Universum öffnen, dass Menschen Material produzieren können, das Kanon ist. Schon mit meiner Supervision, aber definitiv freier.

Genau die Frage, wie würde ein Raumordnung-Release aussehen, wenn Linda Hennen, die Opernsängerin, die Leitung übernimmt, das sind Fragen, die ich gerne verfolge. Nach zehn Jahren EREMIT als klassische Band mit drei Leuten, bei der einer den Hut auf hat, ist das schon ein neues Level. Eine künstlerische Community, die zusammen etwas erschafft.

Wobei: Alle von EREMIT sind auch bei Raumordnung dabei. Kalle, Brede, Marco, der originale EREMIT-Schlagzeuger, spielt auf dem Album Schlagzeug. Es ist eng verwoben, es bleibt Family. Und dann sind da noch 16 andere, die sich teilweise gar nicht kannten. Beim Fotoshooting haben sich manche das erste Mal analog getroffen und so ist das auch eine spannende Zusammenkunft von Künstlerinnen aus ganz Deutschland und auch darüber hinaus. Das ist einfach eine geile Challenge für mich, da noch weiter Kontrolle abzugeben und mich mal hinzustellen und vielleicht gar nicht mal der Regisseur sein zu müssen, sondern vielleicht nur einer zu sein, der ein paar Ideen mitbringt. Du merkst vielleicht, das finde ich wirklich total spannend.

Das klingt wirklich sehr, sehr spannend. Ich möchte hier nicht mein Review wiederholen, aber das, was du beschreibst, passt für mich genau zu dem, was ihr da abgeliefert habt. Das ist für mich eine extreme Form eines musikalischen Hörspiels und ich freue mich auf das, was da noch kommt. Ich denke damit sind wir so langsam am Ende Mo. Möchtest du abschließend noch etwas sagen?

Ich finde es grundsätzlich einfach schön, dass sich Leute dafür interessieren, was wir an Kunst machen. Wir sind mit EREMIT eine mega nischige Band. Kollektiv Raumordnung ist mit Sicherheit mindestens genauso nischig. Es ist immer noch verwunderlich und positiv und wunderschön, dass die Musik und die Kunst, die wir machen, Leute berührt und interessiert.

Und irgendwie bin ich ganz froh, dass wir uns über die Jahre ein schönes Universum und auch so einen schönen FreundInnen-/Bekannten-/Fankreis aufbauen konnten, mit dem wir zusammen das alles erleben. Das ist ein total schöner Raum, der entstanden ist. Und der hat natürlich, sage ich mal, die Freundschaft zwischen Kalle, Brede, Marco, Hausi und mir nochmal total intensiviert, weil man einfach so viel zusammen macht und so viel zusammen erlebt. Das bereichert unser aller Leben total.

Und ich bin gespannt auf das, was noch kommt, also das, was wir schon aufgenommen haben, was irgendwann released wird, und natürlich das, was überhaupt noch gar nicht absehbar ist. Und ich hoffe, dass die Welt sich in der Art weiterdreht, dass wir weiter Kunst machen können, auch wenn jeder mit AI heutzutage mit einem Klick wahrscheinlich so was in der Art wie EREMIT produzieren kann. Wir machen es immer noch mit der Hand. Ich kann nicht anders, ich muss Kunst machen. Das ist die Konstante in meinem Leben. Und ich bin sehr gespannt, was da noch kommt.

Für mich ganz persönlich hat sich vor einiger Zeit ja auch noch eine ganz andere Tür geöffnet. Ich habe eine Schauspielrolle bekommen in einem Film, der in der Metalwelt spielt. Der hatte Weltpremiere in Zürich auf dem Filmfest vor ein paar Wochen. Und demnächst bin ich auch wieder auf Filmfesten unterwegs. Das ist nochmal ein ganz anderes Universum, das da aufgegangen ist für mich als Künstler und als Mensch in einer Szene. Das ist total spannend. Und da bin ich sehr gespannt, wie dieser Film, wenn er dann in deutschen Kinos kommt, von der Szene wahrgenommen wird, wie das so ist, dass „der Typ von EREMIT“ da mitspielt.

Ich kann das leider nur anteasern, weil der Film noch nicht draußen ist. Aber für Leute, die visuell auf Sachen stehen und sich für Metal interessieren und so weiter: Da kommt, glaube ich, irgendwann ein interessanter, spannender Film, wo mehrere Musiker aus der Szene dabei sind. Auch Amenra sind da beispielsweise am Start. Da kommt ein echt spannender Film.

Ich kann dir auf jeden Fall sagen: Ich habe davon schon mitbekommen. Scheinbar spricht sich das rum. Ich bin gespannt und gratuliere, dass du für sowas angefragt wurdest.

Danke! Dieser Filmdreh, das ganze Erlebnis, das ist für mich eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens gewesen. Mir ging es gar nicht gut zu der Zeit und dann da rauszukommen, in der Schweiz zu leben für eine Zeit lang und Schauspieler zu sein bei einer Kinofilmproduktion, das war surreal. Das hat mich sehr bereichert. Ein anderer Aspekt, nachdem der Film ja abgedreht ist, sind die Filmpremieren, auf denen ich sein darf. Das ist wirklich crazy. Ich bin sehr dankbar, dass ich da mitmachen durfte und aktuell auch mitmachen darf.

Mo, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für dieses Gespräch. Alles Gute für alle deine Projekte! 

Danke auch an dich und dein Interesse und deine Zeit!


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